Natur ist Heilig - Antalya Destination
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Natur ist Heilig

Die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen haben auch Einfluss auf die Religiosität, die einen untrennbaren Bestandteil der Kultur darstellt. Die Götter, die in polytheistischer Zeit verehrt wurden, weisen in den verschiedenen Regionen unterschiedliche Charakteristika auf, so erscheinen die Götter an der Küste eher gütig und zurückhaltend, in den Bergen dagegen streng und gewaltig. Auch wenn die an der Küste und in den Bergen verehrten Götter gleichen Namens dieselbe mythologische Identität besaßen, so gab es doch entscheidende Unterschiede, was die Schöpfungsmythen, die Verehrungsriten und ihr Verhältnis zu den Sterblichen in der Sagenwelt betrifft. Das zeigt anschaulich, dass sich die Erscheinungsform der verehrten Götter den jeweiligen Arbeits- und Lebensbedingungen anpasste. Dieser Differenzierung begegnet man übrigens nicht nur beim Glauben, sondern ebenfalls bei den moralischen, wie auch den materiellen Werten, die sich der Mensch geschaffen hat.

In der Nomadentradition, deren Grundlage die Tierhaltung unter freiem Himmel ist, wird die Natur sehr verehrt. Das ist auch nach dem Übergang zur sesshaften Lebensweise so geblieben. Da der Mensch seinen Unterhalt aus der Natur sicherte, wuchs die Verehrung für die Natur immer weiter an und nahm irgendwann religiöse Züge an. Bei dieser Form des Glaubens bildet die Natur ein mystisches Reich, deren Hauptelemente wie Berge, Flüsse, Höhlen, große Felsen und bestimmte Bäume, die jahrhundertealte Zeugen der Geschichte und des Lebens sind, als beseelt und als heilig gelten. An gewissen heiligen Tagen, versammeln sich die Hirten auf Berggipfeln und bringen zum Ausdruck ihrer Dankbarkeit und Verehrung den magischen Mächten, die wie sie glauben sie selbst, ihr Vieh und ihre Umgebung schützen, Opfer dar. Eines dieser bei solchen Zusammenkünften abgehaltenen Rituale, welches in den ländlichen Gegenden Anatoliens weitverbreitet ist, stellt das „Regengebet“ dar. Es ist vor allem dann von Bedeutung, wenn sich in den Herbstmonaten der Niederschlag nicht einstellt und der alljährliche Zyklus der Landwirtschaft durcheinandergerät. Auch heute noch kommen die Bewohner mehrerer Dörfer zusammen und halten mit ihren Gebeten um Regen den Brauch bis heute aufrecht.

Dieses Regengebet wird an der Küste, der Herbstweide und selbst auf der Sommerweide abgehalten. Es folgt immer den gleichen Grundregeln, kann aber von Gegend zu Gegend und von einer Yörükengemeinschaft zur anderen variieren. Neben diesen weithin regional angebeteten Wesenheiten, begegnet man auch Heiligen, die von überregionaler Bedeutung sind, und die auch in Ägypten oder auf dem Balkan verehrt werden. Sie waren in der Geschichte jeweils wichtige Persönlichkeiten in Bezug auf die soziale Ordnung, und man begegnet ihnen in fast jeder Kultur. Die Gläubigen besuchen ihre Gräber und halten Rituale ab, die mit der Darbringung von Weihgeschenken und Tieropfern verbunden sind. Von den vielen Heiligen, die in der Gegend von Antalya verehrt werden, ist Abdal Musa, der im 14. Jahrhundert lebte und im Dorf Tekke/Elmalı begraben ist, der wohl bekannteste. Jedes Jahr im Juni pilgern Tausende von Menschen aus dem In- und Ausland nach Tekke, das für den heterodoxen Islam eines der wichtigsten Kultzentren darstellt. Myra, das durch den Heiligen Nikolaus für das Christentum ein religiös bedeutender Ort ist, und Elmalı, mit dem Grab des Abdal Musa, sind nur etwa zehn Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

Eine ähnlich wichtige Kultstätte findet man in Isparta. Wenn man von Yalvaç aus nördlich des Hoyran-Sees nach Westen fährt, passiert man den unglaublich fruchtbaren Korridor von Senirkent-Uluborlu. Hier liegt in einer Talsenke, in der alle möglichen Obst- und Gemüsesorten angebaut werden, die Ortschaft Uluğbey/Landkreis Senirkent mit dem Grabmal des Veli Baba Sultan, der im 16. Jahrhundert einer der größten Heiligen Anatoliens war. In dem Mausoleum des Veli Baba Sultan sind neun Särge nebeneinandergereiht, von denen einer leer ist und offensteht. Dieser Sarg wartet seit fünfhundert Jahren auf seinen Toten, den Anfang des 16. Jahrhundert nach der Einnahme der Stadt Budin/Ungarn ebenda verstorbenen Gül Baba. Er wurde auch dort beerdigt, im Beisein des Sultan Süleyman. Im Volksglauben aber heißt es, er lebe noch und werde dereinst zurückkehren, um in der Heimat in seinem Grab bestattet zu werden. Es ist außerordentlich interessant, dass diese Tradition, ein Grab für die in der Fremde Verstorbenen und nicht mehr Heimgekehrten zu errichten und leer stehen zu lassen, in der Gegend von Yalvaçbereits in der Antike gepflegt wurde.

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