Antalya und Umgebung im Mittelalter - Antalya Destination
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Antalya und Umgebung im Mittelalter

Mit der Teilung des römischen Reiches in einen Westteil und einen Ostteil, gehörte Anatolien in den folgenden Jahrhunderten als „Byzantinisches Reich“ zu Ostrom. Somit waren auch Antalya und Umgebung  ein Teil Ostroms.

Der gerade erst auf der Arabischen Halbinsel entstandene Islam, breitete sich noch in der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts im Mittelmeerraum aus. Der Arabersturm, zuerst einmal auf zyprische und anatolische Küstenstädte, dauerte über Jahrhunderte an. Die Bevölkerung einiger Hafenstädte, auch der Küste der Provinz Antalya, siedelte ins Binnenland um, das ihr sicherer erschien. Städte am Meer wurden niedergebrannt und mit der Zeit aufgegeben. Einer Absprache zwischen den Arabern und Byzantinern zufolge, wurden in diesen entvölkerten Orten, und speziell in Antalya, zu einem großen Teil aufständische Mardaiten, aus den Bergen im Osten Libyens angesiedelt.

Doch das genügte nicht, damit die Region wieder zur alten Blüte gelangte: Leon von Tripolis, griechisch-stämmiger Renegat (Konvertiert vom Christentum zum Islam) und Pirat, stand in arabischen Diensten und plünderte Anfang des 10. Jahrhunderts mit seiner Flotte die Stadt Thessalonike. Er kehrte mit Tausenden von Sklaven und reicher Beute von den ägäischen Inseln, die er überfallen hatte, zurück. Weil Byzanz ähnliche Überfälle auch für Antalya befürchtete, ließ es die Stadt mit einer zweiten Stadtmauer umgürten. Vor dem Kültür Sineması in Antalya-Kaleiçi sind Überreste dieser zweiten Mauer erhalten. Mit dem Ersterben der umliegenden Hafenstädte verkam auch Antalya zu einem kleinen Küstennest und verlor seine Bedeutung. Als das Pilgerheer auf seinem 2. Kreuzzug im 12. Jahrhundert im Hafen von Antalya anlanden wollte, geriet es in einen Hinterhalt der Turkmenen, die hier in den Bergen lebten, und es wurde vernichtend geschlagen. Der König und die Adeligen gelangten in die befestigte Stadt; ein großer Teil des kranken, verwundeten und hungrigen Kreuzfahrerheeres jedoch blieb zwischen Türken und Mauern eingekeilt. Ein christlicher Geistlicher, der sich im zerrütteten Heer befand, berichtet davon, wie die Türken, als sie sahen, dass die Tore verschlossen waren, ihren Angriff beendeten. Sie halfen den Kranken und Verwundeten, und teilten Essen aus. Dann fügt er noch hinzu: „Oh, Mitleid ist grausamer als der Tod!“

Anfang des 13. Jahrhunderts wurde zuerst Antalya, danach auch Alanya von den anatolischen Seldschuken erobert. Mit der Seldschukenherrschaft sollte eine neue Glanzzeit einsetzen, die bis heute andauert. Die seldschukischen Fürsten machten Alanya zu ihrer zweiten Hauptstadt und verbrachten die Wintermonate hier.

Die Christen, die sich mit Lusignan, dem Kreuzfahrer und König von Zypern, verbündet hatten, griffen die Muslime, mit denen sie gemeinsam innerhalb der Stadtmauern gelebt hatten, an einem Freitag an, und brachten Antalya wieder in ihre Gewalt. Die Seldschuken holten sich die Stadt nach kurzer Zeit erneut zurück und richteten ein christliches und ein muslimisches Wohnquartier ein, indem sie innerhalb der Stadt eine Trennmauer errichteten, von der ein großer Teil heute noch steht. Auf der christlichen Seite ist noch eine Inschrift erhalten, die an diese zweite Eroberung gemahnt.

Antalya Altstadt
Zudem siedelten die Seldschuken nomadisch lebende Turkmenenstämme/Yörüken in Antalya und Umgebung an, die Vieh züchteten, den Sommer auf den Hochweiden verbrachten, und im Winter an die Küste herunterzogen. Außerdem errichteten sie Koranschulen, Hamams, Armenhäuser und das Yivli Minare, das gefurchte bzw. kannelierte Minarett, das zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist, und das für die damalige Zeit außergewöhnlich hoch war. Als der Platz für die Muslime innerhalb ihres abgetrennten Bezirks nicht mehr ausreichte, wurde im Jahr 1225 eine weitere Mauer gebaut, die auch heute noch samt ihren Festungstürmen steht. 

Das unter byzantinischer Herrschaft ziemlich vernachlässigte Gebiet, gewann unter den Seldschuken wieder an Bedeutung. In der Festung Alanya, deren Abwehrkraft sie verbesserten, indem sie die Mauern verstärkten, bauten sie eine Werft, die fünf Arkadenräume umfasst, sowie den Kızıl Kule, den Roten Turm, einen fünfstöckigen Wach- und Verteidigungsturm, der seinen Namen seinem roten Backsteinmauerwerk verdankt. Durch die garantierte Unbeschränktheit des Handels für Seefahrer und Kaufleute aller Religionen und Nationen, Anreize wie Steuerermäßigungen oder sogar -befreiungen und die Sicherung von See- und Landwegen, blühte der Handel auf.

Unter Berücksichtigung der Tagesstrecken der Karawanen wurden Herbergen undKarawanseraien errichtet. Alte Quellen berichten, dass das Bühnenhaus des Theaters von Aspendos mithilfe von Anbauten aus Holz als Unterkunftsmöglichkeit für Reisende genutzt wurde. An der steinernen Wand des Bühnenaufbaus befindet sich auch nach Jahrhunderten noch an einer heute unerreichbaren Stelle das Graffito - eine Notiz von nur ein paar Worten - irgendeines Händlers oder Reisenden.

Neben dem ortsfesten und ständigen Bazar in der Burg von Alanya, der nach wie vor ungebrochen in Betrieb ist, dienten die Straßen an den Herbergsbauten und Karawanseraien in der Umgebung als Marktplätze im Freien. Neben diesen Märkten mit einem festen Markttag in der Woche, waren auch die regional abgehaltenen Jahrmärkte im Herbst quirlige Handelsplätze, wo Viehzüchter und Händler mit angereisten Kaufleuten auf angenehme Art und Weise ihre Geschäfte machen konnten, insbesondere weil man die Ernte hinter sich hatte, und die Taschen voller Geld waren.

Burg von Alanya
Mit dem Schutz für die Händler wuchsen auch Reichtum und Wohlstand. Die vielen Straßen, die die Region durchzogen, müssen eine Großzahl von Flüssen überwinden. Also wurden Brücken über diesen wasserreichen Gewässern errichtet, die bis heute vollkommen intakt sind. Diese historisch wertvollen Brücken der Seldschuken, später auch der Karamaniden und Osmanen, dienen weiterhin dem Verkehr zwischen den Dörfern und Kleinstädten in ihrer Umgebung, abseits der von motorisierten Fahrzeugen befahrenen Straßen.

Es wird überliefert, dass Antalya, nachdem sich die Seldschuken im Jahr 1308 von der Bühne der Geschichte verabschiedet hatten, hundert Jahre lang ein unabhängiges Fürstentum war, und dass der Fürst zeitweise vom Volk gewählt wurde. Von dem berühmten marokkanischen Reisenden Ibn Battuta erfahren wir viel Wissenswertes über das Leben der Menschen aller möglichen Religionszugehörigkeiten im Antalya der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Ibn Battuta interessierte sich für die dortigen Handwerker und die Handwerkszünfte, in deren Schoß die mittelalterliche Warenproduktion stattfand, und die das Fundament für Qualität, ehrlichen Handel sowie gegenseitige Hilfeleistung darstellten. Er schrieb, er habe nirgendwo auf der ganzen Welt Menschen getroffen, die besser und segensreicher arbeiteten, als die von Antalya.

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts geriet Antalya zwar noch einmal in den Besitz des christlichen Königs von Zypern, nach zwölf Jahren jedoch wurde es wieder von den Türken zurückerobert. Nachdem die Seldschukenherrschaft in Antalya und Umgebung endete, fiel es zunächst an das Fürstentum Tekelioğlu und Ende des 14. Jahrhunderts dann an die Osmanen, während Alanya erst einmal dem Fürstentum der Karamaniden einverleibt wurde, bis es schließlich Ende des 15. Jahrhunderts ebenfalls zum Osmanischen Reich gehörte.

In den Jahren nach der Eroberung Istanbuls durch die Osmanen, sammelte sich die christliche Flotte auf Befehl Papst Sixtus‘ IV. vor Antalya, wobei sie auf dem Weg dorthin die Inseln der Ägäis plünderte. Mit Kanonen durchschossen die Angreifer die Hafenkette, die zwischen den Türmen auf den Molen gespannt war, um feindliche Schiffe an der Einfahrt zu hindern. Die Besatzungen der Schiffe überfielen den Markt im Hafen. Doch der Versuch, die Stadt einzunehmen, scheiterte, also kehrten sie wieder auf ihre Schiffe zurück und zogen ab. Zeitgenössische Quellen berichten, dass trotz des Scheiterns, Teile der Kette als Siegeszeichen mit nach Rom genommen wurden und an der Pforte der Peterskirche aufgehängt wurden. (Heute in den Nebenräumen der Kuppel über der Cappella Clementina als „Kette von Satalia“, wie Antalya damals noch häufig genannt wurde.)

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich 1606 im Hafen von Finike. Die Ritter von St. Stephan aus der Toskana kamen mit Schiffen in großer Zahl, erstürmten den Hafen von Finike und belagerten die Festung. Nachdem sie die Burggarde nicht überwältigen konnten, nahmen sie wehrlose Frauen und Kinder gefangen. Ohne sie wieder freizulassen, segelten sie zurück nach Italien.

Ausgelöst von Napoleon Bonapartes Ägyptenfeldzug Ende des 18. Jahrhunderts, wanderten viele Menschen aus Nordafrika aus und siedelten sich in Antalya an. Diese Wanderungsbewegung intensivierte die Handelsbeziehungen noch, die zwischen Nordafrika und Antalya, bzw. Alanya schon seit alters her bestanden. Die Nordafrika-Offensive Napoleons veranlasste die osmanische Führung, die Stadtmauer Antalyas auszubessern und weiter auszubauen. Zahlreiche, bis heute erhaltene Inschriften auf Marmortafeln wurden an den Mauern angebracht, um an diese Arbeiten zu erinnern. Anfang des 19. Jahrhunderts jedoch kam der Überfall nicht von außen, sondern aus der Festung selbst. Die osmanischen Gardisten Antalyas meuterten. Daraufhin wurde die Stadt vom Osmanischen Heer belagert. Mehr als zwei Jahre hielten die Aufrührer stand. Mit der Hilfe der Bevölkerung, der eine Hungersnot drohte, da die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten war, konnte die Festung schließlich in die Knie gezwungen werden. Die unbotmäßigen Gardisten wurden ergriffen und hingerichtet, ihre Familien wurden auf den Balkan verbannt.

Das 19. Jahrhundert war für das Osmanische Reich mit Gebietsverlusten verbunden. Muslimische Türken mussten gezwungenermaßen aus dem verlorenen Balkan, den ägäischen Inseln, ja, sogar aus dem Kaukasus nach Anatolien abwandern, und wurden unter anderem in Antalya und Umgebung angesiedelt. Daran erinnern Nachnamen, wie „Muhacir“ - was so viel bedeutet wie„Umsiedler“ -  oder Personen, die nach ihrem Herkunftsort benannt sind, - wie zum Beispiel „Giritli“ , für „der Kreter“. Die Vertriebenen wurden auch in der Umgebung verlassener antiker Städte untergebracht, wie zum Beispiel bei Side (Selimiye), oder in eigens errichteten Dörfern - Orte, die nach den Kindern des damals regierenden Sultans Abdülhamit II. benannt wurden.

Dörfer wie Kadriye, heute ein wichtiger Tourismusort, im Südwesten des Landkreises Serik in der Provinz Antalya, Ahmediye, ebenfalls in der Nähe von Serik und Ihsaniye, im Bezirk Aksu, waren alles Plätze, an denen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts Einwanderer von den ägäischen Inseln angesiedelt wurden. Nach dem 1. Weltkrieg, der dem Deutschen Kaiserreich, dem Russischen Zarenreich und dem Osmanischen Reich ihren Untergang bescherte, entsandten die Siegermächte Soldaten in die jeweiligen Regionen Anatoliens, die sie sich in gegenseitiger Absprache zugeschlagen hatten. Antalya und Umgebung wurden demzufolge im Frühjahr 1919 von den Italienern besetzt. Entsprechend dem Vertrag von Lausanne, der auf den gewonnenen Befreiungskrieges folgte, den das türkische Volk unter Führung Mustafa Kemals, „Atatürk“ in Eigenregie gegen die Besatzer initiiert hatte, wurde eine große Zahl von muslimischen Türken aus Thrakien nach Anatolien verbracht und im Land ihrer Väter angesiedelt. Antalya nahm den größten Teil dieser Einwanderungswelle auf.

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