Arbeit und Leben der Yörüken - Antalya Destination
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Arbeit und Leben der Yörüken

Sobald die Sommerweide erreicht ist, werden die Zelte aufgebaut. Darum herum wird eine Steinmauer gegen den Wind errichtet. Die Unterstände für das Vieh, Wasser- und Futtertröge, Wasserrinnen, Brunnen und Gebetsplätze, die über Monate dem Schnee ausgesetzt waren und beschädigt sind, werden repariert. An den Brunnen werden Holzschalen angebracht, die auch Vorüberziehende benutzen dürfen. Hühnerställe werden gebaut. Wird Vieh auf der Weide gehalten, muss man vierundzwanzig Stunden wachsam sein. Wenn sich in den Sommermonaten die Yayla wieder belebt, ist zu jeder Tages- und Nachtzeit Vorsicht vor den eigentlichen Herren hier geboten: Wolf, Fuchs, Schakal, Bär. Die größte Hilfe sind dabei die Hirtenhunde. Diese gut abgerichteten Hunde mit ihren Stachelhalsbändern sind der zuverlässigste Schutz vor Viehdieben und Wolfsrudeln.

Das Leben auf der Sommerweide bedeutet eine arbeitsreiche, beschwerliche Zeit, die eine Vielzahl der verschiedensten Aufgaben bereithält, von der Schur der Schafe und Ziegen, über das Melken und die Herstellung von Butter und Käse, bis hin zur Honiggewinnung und Jägerei. Neben der Erzeugung tierischer Produkte, was die wesentliche Tätigkeit darstellt, fallen noch zusätzliche Arbeiten an. Aus Ziegenhaar werden unter anderem zum Beispiel Zaumzeug für die Last- und Reittiere sowie die Zeltbahnen gewoben, damit in der Übergangszeit zwischen Sommer und Winter weder Regen noch Kälte in diese eindringen können. Zu den Dingen, die bei der Wanderung mittransportiert werden, gehören deshalb auch Webstühle.

Die als Yörüken-Webereien bekannten Teppiche und Kelims sind nichts anderes als die Darstellung des Nomadenlebens in Kette und Schuss. Die Teppiche der Nomaden sind nicht groß, denn der Auf- und Abbau eines großen Webstuhls für die zweimal im Jahr stattfindende Wanderung wäre zu mühsam. Auf diesen wunderschönen Teppichen und Kelims, die durchweg von Frauen und Mädchen in mühsamer Handarbeit gefertigt werden, sind die Schöpfung, das Universum, Lastkamele, Widder, Frauen- bzw. Mutterdarstellungen, Blumen, also kurzgesagt die Natur dargestellt. Für diese Motive interessieren sich vor allem Kunstliebhaber und Kunsthistoriker. Aus Geschichtsbüchern kann man erfahren, dass die Teppiche und Kelims, die im Leben der Menschen Anatoliens eine wichtige Rolle spielten, in früheren Zeiten die Schlösser und Palais Europas schmückten und dazu dienten, Reichtum zu demonstrieren. Auch bei Gästen aus dem Ausland weckt dieses Kulturgut allerhöchste Begeisterung.

Zu den traditionellen, sozusagen zum Warenzeichen gewordenen Webereien aus dem Raum Antalya, gehört in erster Linie der „Döşemealtı“-Teppich, benannt nach der Gegend, wo bis vor kurzem nomadische Turkmenen ihr Winterlager aufschlugen. In den Dörfern dort, gleich im Norden von Antalya, steht fast in jedem Haus ein Webstuhl und der Ruf der hier produzierten, kunstvollen Teppiche ist bis weit über die Landesgrenzen hinausgedrungen. Ein weiterer Teppich, der immer gefragter wird, ist der „Barak“-Kelim. Er wird von Dorfbewohnern gewoben, die ursprünglich als Wanderhirten ihr Winterlager in Kaş und ihre Sommerweiden bei der Ebene von Elmalı hatten.

Die Dorfbewohner nomadischer Herkunft müssen jeden Winkel ihrer heimatlichen Berge wie ihre Westentasche kennen. Da sie zum stetigen Herumziehen gezwungen sind, haben sie auch eine tiefe Kenntnis davon, wo es welche Pflanzen und Tiere gibt. Sie wissen genau, welche Kräuter für ihr Vieh am besten sind und führen es auf ihrer Wanderung im Sommer, so dass es an den entsprechenden Plätzen grasen kann.

Bei der Arbeit der Nomaden gehören die Tiere zur Familie. Die Schafe, Ziegen und Hunde bekommen Namen. Erstaunlicherweise erkennen sie ihre Namen sogar, zumindest die Klügeren unter ihnen. Sie reagieren ganz offensichtlich, wenn ihr Hirte oder Besitzer nach ihnen ruft. Der Hirte, der die Zuneigung seiner Herde gewinnt, ist auch unter den Menschen hoch angesehen. Die Hirten wetteifern darum, wer den höchsten Einfluss auf seine Herde hat. In diesem Zusammenhang ist möglicherweise eine Art Hirtenfest im Ort Hasanpaşa im Landkreis Tefenni am bekanntesten in ganz Anatolien. Bei diesem Wettbewerb, an dem sich auch die umliegenden Dörfer beteiligen, führen die Hirten ihre Herden vom Sattel der Anhöhe Tostos herab auf den Ort des Geschehens. Der eigentliche Wettbewerb findet dann am Yüğnüm-Böğet statt, einem Becken, in dem Schafe gewaschen werden, und in dem sich das noch nach Schnee riechende kalte Schmelzwasser von der Weide sammelt. Der Hirte geht vorneweg ins Wasser und ruft seine Herde mit antrainierten Befehlen, damit sie ihm dorthin folgen. Dem Hirten, der seine Herde am schnellsten durch das Becken führen kann, wird der Preis zugesprochen, und er genießt nicht nur die Achtung seines eigenen Dorfes, sondern aller Dörfern der Gegend.

Diese Hirtenfeste der nomadischen Turkmenen gibt es schon seit rund tausend Jahren. Sie finden jährlich statt und haben sich kaum verändert, da auch das Hirtenleben keine wesentlichen Neuerungen erfahren hat. Für Touristengruppen, die diese Gegend besuchen wollen, besteht die Möglichkeit bei dieser und anderen Veranstaltungen, wie zum Beispiel Erntefesten, dabei zu sein, wenn sie eine gesonderte Tour von Antalya aus buchen. Diese Ausflüge, die den Reisenden die Arbeitswelt des Volkes und die ländlichen Regionen nahebringen sollen, sind zu einem unverzichtbaren Segment im Angebot der Tourismusbranche geworden.

Die nomadisierenden Turkmenen wissen von ihren Vätern, Großvätern, oder aus ihrer eigenen Erfahrung genau, wo Wölfe, Bären oder Schakale lauern und halten ihre Herden von solchen gefährlichen Orten fern. Der Platz für die Bienenstöcke inmitten all der unzähligen Kräuter und Blumen, die die Wiesen des Taurus hervorbringen, sollte ebenfalls gut gewählt sein. Das ist entscheidend für die Qualität des Honigs - und ein gutes Produkt bringt guten Gewinn.

Die produzierten Güter, wie Käse und Butter, werden in Schneegruben aufbewahrt, wie sie zu jeder Yörüken-Weide gehören, oder in tiefen Höhlen, die auch im Sommer kühl bleiben, weil sie nicht vom Sonnenlicht erreicht werden. Zu gegebener Zeit werden die Waren wieder herausgeholt, um sie entweder an einen Großhändler zu verkaufen, oder auf den Markt zu bringen. Neben den, auf den weit voneinander entfernten Yaylas an festen Tagen stattfindenden Wochenmärkten, veranstalten die Yörüken-Familien, die in derselben Gegend lagern, gemeinsam zu Saisonende einen speziellen Markt, der länger dauert als die Wochenmärkte, größer ist und direkt den Verkäufern zugutekommt. Es geht turbulent zu auf diesen Veranstaltungen, die zur Zeit der Sommerweide stattfinden, in einer Gebirgslandschaft tausende Meter über dem Meer, in der nach Wintereinbruch kein Leben mehr möglich ist. Die kleinen Yayla-Märkte und großen Jahrmärkte bereiten dem natur- und kulturinteressierten Reisenden ein seltenes farbenfrohes Spektakel mit unvergesslichen Momenten, an die er sich auch Zuhause noch lange erinnern wird.

Zu diesen, mit der Zeit Tradition gewordenen, beliebten Märkten kommen die Nomaden mit ihren tierischen Produkten, und die Bauern aus dem ganzen Umkreis mit Obst, Gemüse, leicht transportierbaren hölzernen Haushaltswaren, einfachem landwirtschaftlichem Gerät und Werkzeugen. Die archäologische Forschung fand heraus, dass im Altertum aus Lykien (im Westen der Bucht von Antalya) getrocknetes Rehfleisch nach Rom exportiert wurde, was zeigt, dass auch die Jagd von Wild im Taurus seit jeher eine wichtige Einnahmequelle mit hohem Profit darstellte.

Leoparden, Berglöwen, Steinböcke und diverse Raubvögel, die es noch bis vor kurzem in den unzugänglichen Teilen des Taurusgebirges gab, wurden von erfahrenen Jägern mithilfe von Fallen lebendig gefangen und dorthin verschickt, wo es betuchte Abnehmer gab.

Bis vor nicht allzu langer Zeit waren auf den Yayla-Märkten auch die Felle und Häute von erlegten Wildtieren eine beliebte Ware, darunter von Wolf, Bär, Fuchs, Steinbock und Hase, die es im Taurus reichlich gab. Ihre Felle wurden nach Istanbul und in andere Städte geschickt, wo die Nachfrage gewaltig war. Seit ein großer Teil des Taurusgebirges zum Nationalpark erklärt wurde, haben sich die Tierbestände, die in der Vergangenheit durch gedankenlose und übermäßige Bejagung stark zurückgegangen waren, schnell wieder erholt. Und so kann der ausländische Jagdliebhaber im heutigen Wildtierparadies Taurus innerhalb der offiziellen Jagdsaison die Genehmigung zum Abschuss einer festgelegten Anzahl von Steinböcken erwerben.

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