Der Zug auf die Hochweide/Yayla - Antalya Destination
image06

Der Zug auf die Hochweide/Yayla

Der Zug auf die Hochweide findet in der Regel zwischen Ende Mai und Anfang Juni statt, manchmal vielleicht etwas früher, aber niemals später. Hinauf sollte es möglichst schnell gehen, dafür zieht sich der Weg hinunter umso länger hin. Er findet Mitte August statt, wenn es in den Bergen bereits kühler wird. Um diese Zeit ist es an der Küste noch ziemlich heiß. Deshalb müssen Zwischenlager gefunden werden, die noch wärmer sind als die Hochweiden, aber frischer als die Küstenregion. Diese sogenannte Güzlek - die Herbstweide - muss möglicherweise mehrmals in der Saison gewechselt werden. Denn mit den sinkenden Temperaturen wandern die Lager immer weiter nach unten, und schließlich ganz hinab an die Küste.

An den Zwischenlagern zwischen Küstenregion und Hochweiden entstanden viele Dörfer, die nach diesen Güzleks der Herbstmonate benannt sind. Manche Orte wurden bei der Rückkehr von der Yayla immer wieder aufgesucht und irgendwann ständig besiedelt. Einige Dörfer an der Küste und an den Herbstweiden haben ähnlich lautende Namen, was daran liegt, dass sich ein Teil eines Yörükstammes bei der Güzlek, ein anderer an der Küste niederließ. So verhält es sich auch mit den Sommer- und Winterweiden. Zum Beispiel gibt es ganz im Westen der Provinz Antalya die Siedlungen Yayla Bayindir und Sahil Bayindir, Yayla Göcerler und Sahil Göcerler, oder Yayla Barak und Sahil Barak.

So strömen die Urlauber in der Ferienzeit auch in die meist schnell erreichbaren, immer noch unverfälschten Yaylas im Hinterland der Touristenhochburgen, wie Alanya, Manavgat/Side, Belek, Antalya, Kemer-Tekirova, Finike und Kaş. Die Wanderung auf die Yayla folgt jahrhundertealten, unveränderten Traditionen: Von den, der Küste am nächsten gelegenen Dörfern geht es auf die entferntesten Hochweiden, von den küstenferneren Dörfern geht es auf die näher gelegenen Hochweiden. Deshalb erreichen manche Herden ihre Yayla erst nach einigen Tagen, andere schon innerhalb weniger Stunden, wo sich dann schon eher der sommerliche Arbeitsbetrieb einstellt. Wenn die Zeit für die Wanderung gekommen ist, zieht es nicht nur den Menschen, sondern auch das Vieh hinauf auf die Weide. Mit den Hirten und der hundebewachten Herde vorneweg, macht sich der Zug mit Kind und Kegel, Jung und Alt, Frauen und Mädchen auf den Weg und möchte so schnell wie möglich die Plätze erreichen, an denen sie ihre Zelte aufschlagen werden.

Für den Aufstieg zu den Weiden werden die historischen, gepflasterten Straßen aus der Antike und den späteren Epochen genutzt, die entlang der Flusstäler und Steilhänge verlaufen. Diese alten Wege wurden noch bis in die nahe Vergangenheit befahren, doch mit der Ausweitung des Straßenverkehrs gerieten sie immer mehr in Vergessenheit. Nur im Gedächtnis der Alten sind sie noch verzeichnet, doch mit ihnen stirbt auch das Wissen um diese Straßen. Was auf diesen heute gottverlassenen Weidewegen, „wo sich Fuchs und Hase ‚Gute Nacht‘ sagen“ einst geschah, ist in Sagen und Legenden eingegangen. Diese längst vergangenen Ereignisse, die anderen vor Zeiten einmal zustießen, wurden von Generation zu Generation bis heute erzählt und sind den Menschen hier so präsent, als hätten sie sie selbst erlebt. Zu sämtlichen Wegbiegungen, Engstellen, Abgründen, Hängen, Quellen, Brunnen, Zisternen, großen Felsen, Brücken, Bäumen am Wegesrand und zu jedem Namen auf dem Grab eines Toten, der sein Ziel nicht mehr erreichte, gibt es eine Geschichte.

Da gibt es keine Stelle entlang dieser Straßen, die keinen Namen hätte: „Da, wo der Wolf die Herde überfiel“, „Dort, wo der Hirte erschlagen wurde“, „Beim Hinterhalt des Wegelagerers“, „Da, wo das Mädchen von seinem Liebsten entführt wurde“. So wurden die Geschichten weiterverbreitet und über Generationen erhalten. Und von diesen Geschehnissen gibt es unzählige: „Der Baum, auf dem die Eule ihr Nest baute “, „Der Fels, um den der Wind bläst “, „Der Abgrund, in den der Esel fiel.“ Keiner jedoch kennt die Namen der Toten auf den Friedhöfen der Yaylas. Ein Grab wird nur durch einen aufgestellten Stein markiert, das ist alles. Die Hirten wissen zwar von den Erzählungen ihrer Väter und Großväter, auf welchem Friedhof ihre Vorfahren liegen, aber sie wissen nicht, in welchen Gräbern genau diese bestattet sind. Und nach einigen Generationen wird auch das vergessen sein. Bei den Geschichten, die von den Nomaden erzählt werden, handelt es sich mit Vorliebe um Räubergeschichten. Dabei wird penibel unterschieden, ob die Banditen etwas für die Armen übrig hatten, oder nur auf das Geld aus waren. Der einen wird mit Fürbitten gedacht, der anderen mit Verwünschungen.

Veranstaltungs kalender
Booking.com